Jugendweihe in Sachsen-Anhalt

"Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" lautete das Motto der Französischen Revolution von 1789. Mit der industriellen Revolution schließlich, die unaufhaltsam an Boden gewann, veränderte sich das Leben der arbeitenden Menschen nachhaltig: James Watt erfand 1765 die Dampfmaschine und schon 1819 überquerte der erste Dampfer den Atlantischen Ozean. 1835 wurde die erste Eisenbahnlinie in Deutschland von Nürnberg nach Fürth eröffnet und 1837 erfand der Amerikaner Samuel Morse den Telegrafen: Die Völker und Staaten rückten zusammen.

Auch vor den Toren der katholischen und besonders der evangelischen Kirche machte die Aufklärung nicht Halt. Seit dem sogenannten März-Edikt von 1847 konnte man in Preußen aus der Kirche austreten; von der Orthodoxie heftig bekämpft, bildeten sich in vielen Teilen Deutschlands aus dem Geist der Aufklärung frei- religiöse Bewegungen, von der Amtskirche unab- hängige Gemeinden, die dem Einzelnen und der Natur höchste Autorität zubilligten und ihre eigenen Feste feierten. Nach der Revolution von 1848/49 gab es in Deutschland bereits 400 freireligiöse Gemeinden mit 180 000 Mitgliedern. In ihrem Umfeld entstand auch die erste Jugendweihe. Als ihr Gründervater gilt Eduard Baltzer, der 1847 die Freie Protestantische Gemeinde Nordhausen ins Leben gerufen hatte. Eduard Baltzer - Demokrat und Pfarrer, Abgeordneter der ersten Deutschen Nationalversammlung, die am 18. Mai 1848 in der Frankfurter Paulskirche zusammentrat - suchte wo immer er konnte die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern, so zum Beispiel durch die Gründung eines Kindergartens in Schweina bei Bad Salzungen.

Baltzers Bruch mit der Amtskirche, nicht aber mit dem christlichen Glauben, führte dazu, dass er 1852 anstelle der Konfirmation eine außerkirchliche Feier für junge Menschen veranstaltete, die er "Jugendweihe" nannte. Der Begriff setzt sich indes erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch, unter dem Einfluss von Arbeiter- vereinen, Verbänden der Freidenker und der Sozial- demokratischen Partei Deutschlands. Auch wenn zur Zeit des Kaiserreichs zunächst zu wenige Jugendliche an der freireligiösen und später (1889 und 1890 in Hamburg) der proletarischen Jugendweihe-teilnahmen, so war die Bewegung nicht mehr aufzuhalten. Trotz Bespitzelung durch Pfarrer und Geheimpolizei nahm die Zahl der Mädchen und Jungen stetig zu, die zu den Unterrichtsstunden und Feiern der Jugendweihe- Anbieter gingen.

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